Guide von Genealogie
Familienarchiv
Nun ist der Zeitpunkt gekommen, das Familienarchiv zu durchsuchen. Öffnet eure Schränke, Kästchen oder Schatullen. Erinnert euch, was auf der Datscha, in der Garage oder in der Scheune verwahrt wird. Sucht nach Dokumenten, Fotos, Urkunden, Porträts, Buchwidmungen oder auch Gebetbüchern. Seht euch alles aufmerksam an! In den Gebetbüchern können zum Beispiel die Namen und Lebensdaten von Verwandten stehen. Fotos können Aufschriften enthalten und in Stapeln alten Papiers lassen sich Tagebücher oder wichtige Zeitungsausschnitte finden.
Denkt daran, dass das Familienarchiv nicht nur aus dem besteht, was ihr bei euch zu Hause habt. Oft bewahren nähere oder auch fernere Verwandte Dokumente und Fotos auf, von denen wir nichts ahnen, die uns aber persönlich betreffen. Kontaktiert die Verwandten, besucht sie und schlagt ihnen vor, sich alte Fotos anzusehen. Höchstwahrscheinlich könnt ihr dabei interessante Entdeckungen machen.
Die Befragung von Verwandten und Freunden ist eine wichtige Etappe der genealogischen Recherche. Sprecht mit älteren Verwandten, befragt diejenigen, die eurer Meinung nach am meisten über den jeweiligen Zweig der Familie wissen. Solche Gespräche mit Verwandten geben neue Informationen, deren Vollständigkeit und Aussagekraft aber davon, wie ihr eure Fragen formuliert. Benutzt unser Merkblatt mit Fragen, die euch helfen, eure Gesprächspartner zum Sprechen zu bringen und wertvolle Daten zu sammeln. Manchmal können Angaben, die auf den ersten Blick unwichtig erscheinen, einen Anlass zur genealogischen Recherche darstellen. Je mehr Geschichten ihr erfahrt, desto interessanter wird euer Stammbuch. So können beispielsweise Fragen nach der Schule helfen, sich an eine große Lebensperiode, die erste Liebe oder andere wichtige Ereignisse zu erinnern, die den Charakter des Vorfahren prägten. Wenn man weiß, welche Schule eine Person besucht hat, kann man sich an diese wenden. Sicherlich finden sich Klassenkameraden oder Lehrer, die euch etwas über den Vorfahren erzählen oder Auskunft über ihn geben.
Nehmt eure Interviews mit einem Diktiergerät auf, um die Aufnahmen später in eine Textdatei zu konvertieren und eurem Familienarchiv beizulegen.
Familienalbum
Wenn man das Fotoalbum der Familie durchblättert, lohnt es sich, neben den Bildern auch auf die Aufschriften zu achten. Manchmal hat auch ein unbeschriftetes Foto große Aussagekraft. Lasst uns auf einige Beispiele eingehen:
Beispiel 1. Das Foto ist auf der Rückseite nicht beschriftet, aber es gibt dennoch einige aussagekräftige Einzelheiten. Das Mädchen auf dem Foto besucht ein Gymnasium, was sich an der Uniform erkennen lässt. Auf dem Passepartout 9 sind die Stadt und Name des Fotografen angegeben. Wenn man im Handbuch der in St. Petersburg tätigen Fotografen nachschlägt, findet man heraus, dass Alexander Semtschenko sein Fotoatelier auf dem Litejnyj-Prospekt hatte. Es ist anzunehmen, dass sich das Gymnasium in der Nähe des Ateliers befand. Also geben wir in der Suchleiste des Browsers „Sankt Petersburg“, „Litejnyj-Prospekt“ und „Mädchengymnasium“ ein. Und tatsächlich gab es auf dem Litejnyj-Prospekt ein solches Gymnasium, dessen Dokumente werden in den Beständen des Zentralen Staatlichen Historischen Archivs von St.-Petersburg verwahrt werden. So hat uns ein stummes Foto den Weg zu Archivquellen gewiesen.
Beispiel 1. Abbildung 2. Foto aus dem privaten Archiv
Beispiel 2. Lasst uns das folgende Foto aus einem russlanddeutschen Familienarchiv Stück für Stück durchgehen. Dienst-, Studenten- und Militäruniformen lassen sich in den meisten Fällen zuordnen. So kann man über unseren Helden Folgendes sagen: Auch wenn sich aufgrund der schlechten Qualität des Fotos die Schulterklappen nicht gut erkennen lassen, ist davon auszugehen, dass es sich um den niedrigsten Militärrang handelt, da er einen Uniformrock der Fußtruppen der Artillerie nach dem Muster des Jahres 1907 10. trägt. Bei dem Kreuz auf der Kopfbedeckung handelt es sich um das Zeichen der staatlichen Landwehr, die als Reserve der Streitkräfte in Kriegszeiten einberufen wurde. Wenn wir das Geburtsjahr der Person kennen, können wir auch vermuten, dass das Foto während des Ersten Weltkriegs 11.
Beispiel 2. Abbildung 3. Foto aus dem privaten Archiv
Nutzt die Ressourcen, mit deren Hilfe sich die Fotos von Angehörigen der russischen bzw. sowjetischen Armee attribuieren lassen.
- Militärhistorisches Forum Military https://istorya.pro/
- Rangabzeichen der Armee des Russischen Reiches http://severyukhin-oleg.ru/
- Rangsystem der Armee des Russischen Reiches https://www.rusempire.ru/
- Rangabzeichen der Roten Armee http://www.rkka.ru/
- Militäruniform. Internetenzyklopädie https://military-uniforms.ru/
- Forum Allrussischer Stammbaum. Rubrik „Alte Fotos und ihre Identifizierung“ https://forum.vgd.ru

