Guide von Genealogie
Genealogische Quellen
Der Stammbaum wird anhand von Archivquellen rekonstruiert, die sich in primäre und indirekte Quellen unterteilen lassen.
Primäre Quellen sind Kirchenbücher, Geburtsregister, Volkszählungen, Familienlisten, Revisionslisten und Besitzstandsbücher.
Indirekte Quellen sind kaum aufzuzählen, da es in jeder Ortschaft eigene indirekte Quellen gibt. Für eine Familie kann eine Quelle von Nutzen sein, für eine andere aber nicht. Das können Gerichts- und Versammlungsprotokolle, Amtsblätter, Steuerdokumente. Klageschriften usw. sein.
In unserem Guide werden die primären Quellen erörtert.
1. Volkszählungen
- 1926 fand eine sowjetweite Volkszählung auf dem gesamten Territorium der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken mit Ausnahme Turkmenistans statt. In den Städten wurden Familienkarten ausgefüllt, auf denen man die Dauer der Ehe sowie die Wohnverhältnisse angab. Für die Bewohner des ländlichen Raums wurden Besitzblätter und Hofkarten ausgefüllt.
- Im März 1923 wurde eine Volkszählung für die in Industrie und Handel tätige Bevölkerung durchgeführt, die neben den Städten auch städtische Siedlungen und Industriesiedlungen erfasste.
- In einer Reihe von Regionen lassen sich Volkszählungskarten aus den 1920er Jahren finden, die Informationen über die Haushalte, die Familienoberhäupter und die Zahl der Familienmitglieder enthalten.
- In den Jahren 1916/17 fand im gesamten Russischen Reich eine landwirtschaftliche Volkszählung statt. In vielen regionalen Archiven sind die Karten dieser Volkszählung erhalten geblieben.
- In einigen Regionen sind die Angaben der Volkszählungen von 1905 und 1901 sowie der Ersten Allgemeinen Volks des Russischen Reiches von 1897 erhalten geblieben.
2. Kirchenbücher
Bis 1918 wurden alle Geburten, Eheschließungen und Todesfälle betreffenden Informationen in die kirchlichen Geburtenregister eingetragen. Die Eintragungen in die Kirchenbücher begannen am 1. Januar und endeten am 31. Dezember eines jeden Jahres. Anschließend wurde ein neues Kirchenbuch angelegt.
Abbildungen 8. Russisches Staatliches historisches Archiv in St.-Petersburg.
Die die Geburten betreffenden Eintragungen enthielten Angaben zu Datum und Uhrzeit der Geburt, den Namen des Neugeborenen, Titel oder Standeszugehörigkeit der Eltern, den Vor- und Nachnamen des Vaters, den Vor- und Nachnamen sowie den Geburtsnamen der Mutter, die Konfession beider Elternteile, die Namen der Taufpaten, den Namen des Taufenden sowie die Angabe, ob es sich um eine eheliche oder uneheliche Geburt handelte.
Abbildung 9. Russisches Staatliches historisches Archiv in St.-Petersburg.
Abbildung 10. Russisches Staatliches Historisches Archiv der Wolgadeutschen in der Stadt Engels.
Vor der Eheschließung durchliefen die jungen Paare zunächst den Prozess der Verlobung und Verlautbarung. Letztere erfolgte an drei aufeinanderfolgenden Sonntagen, an denen der Pfarrer die Absicht des Paares zur Eheschließung verkündete. Dies diente dem Ziel herauszufinden, ob der Ehe irgendwelche Hindernisse im Wege standen. So enthielten die die Eheschließung betreffenden Eintragungen fünf Daten: die Verlobung, die drei Verlautbarungen sowie die Eheschließung selbst. Angegeben wurden zudem Standeszughörigkeit, Rang und Titel sowohl der Eheleute als auch der Väter, das Alter von Braut und Bräutigam, die Zahl der Ehen sowie der Name der die Trauung vollziehenden Person. Allerdings gab es zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Anforderungen bezüglich dieser Eintragungen. Die frühen Eintragungen enthielten weniger Informationen.
Abbildung 11. Russisches Staatliches historisches Archiv in St.-Petersburg.
Die Sterbefälle betreffenden Eintragungen enthielten Datum und Uhrzeit sowohl des Todes als auch des Begräbnisses, Angaben zu Standeszugehörigkeit, Rang und Titel des Verstorbenen sowie dessen Alter und Vor- und Nachnamen. War ein Kind gestorben, trug man die Namen der Eltern, die Todesursache, den Familienstand sowie den Geburtsort ein.
3. Konfirmationsbücher
Man wird normalerweise im Alter von 14-16 Jahren konfirmiert, aber die Konfirmation kann auch noch später erfolgen. Oft ist die Konfirmation Voraussetzung für die Teilnahme am Abendmahl. Die die Konfirmation betreffenden Eintragungen umfassen das Konfirmationsdatum, Geschlecht, Nach-, Vor- und Vatersname sowie Geburtsdatum und Geburtsort des Konfirmanden sowie Angaben zu dessen Kenntnis des Katechismus und der Heiligen Schrift.
Abbildung 12. Russisches Staatliches Historisches Archiv der Wolgadeutschen in der Stadt Engels.
4. Revisionslisten
Abbildung 13. Staatliches Archiv des Gebiets Saporoschje in der Stadt Saporoschje.
Abbildung 14. Staatliches Archiv des Gebiets Saporoschje in der Stadt Saporoschje.
Die Revisionen wurden mit dem Ziel der Festlegung der Steuerlast durchgeführt, so dass in den entsprechenden Listen ausschließlich der abgabenpflichtige Teil der Bevölkerung erfasst ist. Für Geistliche wurden eigene Listen erstellt, auch wenn dieser Stand nicht steuerpflichtig war. In den Revisionslisten nicht erfasst wurden Adlige, Staatsbeamte, Ehrenbürger, Personen mit wissenschaftlichem, medizinischem oder akademischem Grad sowie Postbeamte und Theaterschaffende. Insgesamt wurden in den Jahren 1719, 1744-45, 1763, 1782, 1795, 1811, 1815, 1833, 1850 und 1857 zehn Revisionen durchgeführt.
Die Revisionslisten wurden als Familienlisten verfasst, in denen auch das Alter der einzelnen Personen angegeben wurde. Wenn eine Person in der Zeit zwischen den Revisionen verstarb, wurde das Todesjahr bei der nächsten Revision eingetragen. Umzüge, Ableistung des Wehrdienstes und körperliche Behinderungen wurden ebenfalls erfasst. Frauen wurden erst von etwa 1763 an bei den Revisionen berücksichtigt. Da die Informationen mündlich erhoben wurden, konnte es bei der Niederschrift Fehler hinsichtlich der Altersangaben geben. Die frühesten Revisionslisten werden im RGADA 19, die übrigen in regionalen Staatlichen Archiven verwahrt.
5. Listen der Erstsiedler
1763 erließ Katharina II. das zweite Manifest, das Ausländern die Ansiedlung in Russland20 erlaubte. Im Verlauf mehrerer Jahre kamen zahlreiche aus verschiedenen deutschen Ländern stammende Siedler ins Russische Reich. Wer seine Familiengeschichte erforschen will, muss wissen, welche Dokumente dabei erstellt wurden und wo diese heute zu finden sind. Denn eben dort kann man erfahren, aus welchem Auswanderungsort 21 ein Kolonist ursprünglich stammte. Lasst uns also schauen, in welchen zugänglichen Quellen man entsprechende Listen finden kann.
- Die ersten Listen der Übersiedler, die bereits an den sogenannten Sammelpunkten erstellt wurden, sind heute nicht mehr erhalten. Gleiches gilt auch für die bei der Einschiffung zusammengestellten Namenslisten. Nach ihrer Ankunft in Russland wurden die Übersiedler in Oranienbaum 22 in Gruppen zusammengefasst und an die Wolga gebracht. Auch wenn die ursprünglichen Transportlisten verlorengegangen sind, gingen die dort enthaltenen Informationen in die in Saratow verfassten Dokumentationen der Transporte ein, von denen insgesamt neun im RGADA verwahrt werden.
- Erhalten sind die Berichte des Titularrats und Dolmetschers Iwan Kulberg, der die 1766 nach Russland gekommenen Kolonisten registrierte. Die entsprechenden Listen wurden in der Monographie [15] von I.R. Pleve 23 veröffentlicht.
- In Oranienburg schworen die Kolonisten vor der Abfahrt an die Wolga der russischen Krone ihre Treue. Die in diesem Zusammenhang erstellten Vereidigungslisten sind bis heute erhalten und wurden in dem von Andreas Idt und Georg Rauschenbach verfassten Buch „Die Übersiedlung der deutschen Kolonisten nach Russland im Jahr 1766“ [9] veröffentlicht. In diesem Buch, in dem die Geschichte der Übersiedlung ausführlich beschrieben wird, sind auch zahlreiche weitere Dokumente und Kolonistenlisten enthalten.
- Verschiedene Listen und von den Erstsiedlern ausgefüllte Fragebögen sind auch in anderen Büchern der oben genannten Autoren veröffentlicht (z.B. „Die Anwerber. Abenteurer der Aufklärung im Kolonisierungsprojekt Katharinas II.“ [8] und „Einige Seiten der Geschichte des Kolonisierungsprojekts Katharinas II. 1763-1775“[7], sowie in dem von G. Rauschenbach verfassten Buch „Die deutschen Kolonisten auf dem Weg von Petersburg nach Saratow“ [16].
- Zahlreiche Dokumente und Listen sind in den Büchern von I.R. Pleve enthalten, mit dessen Werken man sich auf der Website des Autors Igor Pleve 24 bekannt machen kann.
- 1767 wurde eine erste Zählung der Wolgakolonisten durchgeführt, deren Ergebnisse erhalten sind und von euch bei der Recherche genutzt werden können. Diese Listen der Erstsiedler werden im Staatlichen Archiv der Wolgadeutschen in der Stadt Engels und im Staatlichen Archiv des Gebiets Saratow verwahrt.
- Das von Karl Stumpp in deutscher Sprache verfasste Buch „Die Auswanderung aus Deutschland nach Rußland in den Jahren 1763 bis 1862“ [25] ist für alle hilfreich, die sich über die Wolgakolonien hinaus auch für die Erstsiedler anderer Kolonien interessieren.
- Ein weiteres in deutscher Sprache verfasstes Buch ist Benjamin Unruhs25 Die niederländisch-niederdeutschen Hintergründe der mennonitischen Ostwanderungen im 16., 18. und 19. Jahrhundert“ (Karlsruhe, 1955), das der Übersiedlung der Mennoniten in den Osten gewidmet ist und umfangreiche Listen der Kolonisten aus den Jahren 1787-1895 enthält.
- Die Staatsangehörigkeit wurde z.T. in den Kirchenbüchern festgehalten, die in den Archiven der von den Kolonisten besiedelten Regionen verwahrt werden.
Если вы дошли в своем исследовании до предка-первопоселенца, поздравляем! В зависимости от Вашего года рождения, Вы восстановили родословную до 7-11 колена. Кстати, посчитайте, до какого? Счёт начните с себя – Вы первое поколение, родители – второе и так далее.






